94. Comrades Marathon Durban - Pietermaritzburg (87 km)

5./6. Juni 2019: Anreise und Marathonmesse

Der Mittwoch, 5. Juni 2019 war eigentlich ein ganz normaler Arbeitstag. Treffpunkt in Kloten war erst um 20.30 Uhr, sodass ich mich erst um 17.00h auf den Weg machte. Nach erfolgtem Check-in nach Johannesburg ging ich erst einmal "Mittagessen" und traf die anderen Reiseteilnehmer dann um 20.30 Uhr in der Upperdeck-Bar bei Bier und bereits regen Gesprächen. Man schien sich zu kennen. In die Luft ging es um 23.00 Uhr, Ankunft in JNB war kurz nach 09.00 Uhr. Das Gepäck dort in Empfang genommen und wieder eingecheckt nach Durban, folgte eine Wartezeit bis 12.15 Uhr. Diese Zeit nutzte ich zur Abarbeitung meiner Emails sowie für weitere Büro-, Musiklager-, Partei- und Kampagnenarbeiten. 12.45 Uhr hoben wir ab, um 13.45 Uhr bereits wieder zu landen. Nach dem Gepäckempfang ging es mit dem Car direkt zur Marathonmesse, wo wir um ca. 15.00 Uhr unsere Startnummern und weiteren Rennutensilien erhielten. Ich kaufte mir zusätzlich Laufhosen und einen Rucksack. Gegen 16.45 Uhr bezogen wir unser Hotel "Garden Court Marina Parade", um 17.30 Uhr trafen wir uns zum lockeren Footing entlang der Strandpromenade im bereits dunkel werdenden Durban. Dieses dauerte zwar nur ca. 30 Minuten, dafür wurden wir gar ordentlich "verschifft". Beeindruckt hat uns das aber mitnichten.

7. Juni 2019: Streckenbesichtigung

Nach gutem Frühstück fuhren wir mit unserem Car und kommentiert von unseren zahlreichen Experten die Laufstrecke ab. Man konnte da schon ins Zweifeln kommen: Alles war lang und steil… Unterwegs, etwas nach Halbzeit besuchten wir die Ethembeni-School, welche benachteiligten Kindern aus der Region Bildung und Chance gibt. Auffällig für mich waren die rund 30 Albino-Kinder, welche traditionellerweise gefährdet sind, werden sie nicht in obhutliche Sicherheit gebracht. Nach und nach näherten wir uns Pietermaritzburg. Dort besuchten wir das Comrades-Museum und schauten uns das Zielgelände an. Danach verpflegten wir uns im örtlichen Casino. Abends wurden wir vom Besuch von Bruce Fordyce überrascht, welcher den Comrades 1981-88 + 1990 neunmal gewann und zuvor einmal 3. und einmal 2. war. Herzlichen Dank, lieber Markus, für diese kaum zu überbietende Begegnung und die interessanten Tipps und Episoden von Bruce.

8. Juni 2019: Der Vor-Renntag: In den Hinterzimmern von Durban

 Bereits vor 08.00 Uhr schlenderte ich Richtung Westen. Die Promenade wurde dominiert von unzähligen Läufern, welche sich einem letzten Footing hergaben. Mich zog es dann ins "Hinterland" zu den Hafenanlagen, wo ich auch einen Blick auf die Schattenseiten der Grossstadt erhielt. Und dieser begann eigentlich unmittelbar im Rücken der Glitzerfassaden der Strandpromenade. Offenbart wurden mir Armut (Obdachlose), Ineffizienz (unproduktive "Arbeiter") und Littering, was mich gleichzeitig betroffen, aber auch wütend machte. Entlang von Shepstone, Bay und Marina kam ich zum Denkmal von Dick King, welcher NATAL gerettet haben soll und erhielt interessante Blicke auf den Hafen. Von Dick King zog ich zur City Hall, um auch dieses imposante Gebäude im Startgelände noch näher betrachten zu können.  Nachmittags brachten wir dann unsere Wechselkleider für den Transport ins Zielgelände zur Marathonmesse und erhielten um 16.00 Uhr ein letztes Briefing zum morgigen Renntag. 

9. Juni 2019: 94. COMRADES-MARATHON (Up-Run)

03.30 Uhr surrte der Wecker, 04.15 Uhr war Besammlung und Abmarsch von der Lobby, 05.29.51 Uhr erfolgte der Startschuss – natürlich nicht ohne vorherige Nationalhymne, Arbeiterlied Shosholoza und Hahnenruf. Es war noch dunkel, das Wetter eher feucht-kühl aber insgesamt perfekt zum Laufen. Insgeheim hegte ich als Zielzeit 10:30 Stunden und versuchte daher, mit diesem Pacemaker ("Bus") mitzugehen. Leider aber verlor ich diesen bereits am ersten Verpflegungsposten und war fortan auf mich alleine gestellt, was mich allerdings nicht beirrte. Ich lief einfach mein Tempo und merkte, dass ich keinerlei Beschwerden hatte und mich auch bei zunehmender Renndistanz wirklich wohl fühlte. "Rektaler Druck" zwang mich ca. bei km 32 (Hillcrest) zum Halt, was mich gut 5 Minuten kostete, aber jede Sekunde wert war. Befreit und in der Meinung, nun eher auf 11 Stunden hin zu laufen, ging ich weiter. In den Hügeln des "Valley of 1000 Hills" orientierte ich mich an den alten Hasen mit den grünen Nummern und marschierte diese meistens im strammen Schritt hoch. Die Cutoff's waren nie ein Problem und mit zunehmender Laufdistanz wurde mir klar, dass ich nach wie vor auf 10:30-Kurs sein musste, was sehr motivierend wirkte. Es gelang mir, sämtliche Abschnitte im ungefähr selben Schritt zu durchlaufen (ca. 7:12/km), was angesichts der Renndistanz und den 1'800 Höhenmetern für mich durchaus vertretbar war. Und so lief ich dann – unmittelbar hinter dem 10:30er-Bus – bei brutto 10:27:05 über die Ziellinie, was für mich eine Nettozeit von 10:20:04 ergab. Ich glaube, ich habe mir meine bronzene Comrades-Medaille sauber erarbeitet und verdient.

10./11. Juni 2019: Die Tage danach

Nach Frühstück und nicht festgestellten körperlichen Beschwerden spazierte ich Richtung Osten zum Moses Mabhiba Fussballstadion. Dieses wollte ich erklimmen, um Durban auch von oben noch zu sehen. Die 500 Treppenstufen hoch und runter waren zugleich ein gutes Mittel, meine Muskeln doch noch etwas in Schwung zu bringen. Nachdem ich die Zeit zwischen Stadion und Abfahrt zum Finisher-Essen in guter Gesellschaft mit Biertrinken an der Promenade verbrachte, warf ich mich hernach in Schale und erfreute mich zusammen mit den anderen Reiseteilnehmenden am wunderbaren Nachtessen im ca. 30' Fahrminuten ausserhalb von Durban gelegenen Hotel Oysters. Empfehlenswert! 

Tags danach ging es für mich wieder in die Schweiz zurück, wo ich am Mittwoch, 12. Juni 2019 um 06.15h landete und sogleich zur Arbeit ging. Ä guete Schwizer haut 😉